Es gibt Menschen, die haben ein Faible für Kunst. Für mich steht meistens die Frage im Vordergrund: „Wie macht man das?“ So wird aus Kunst Technologie, eine Farbtechnologie oder ein chemischer Prozess. Dann frage ich mich: Welches Material wurde verwendet? Wie wurde es haltbar gemacht? Welcher Prozess steckt dahinter?
Mit der Frage: „Wie macht man das?“, spüre ich nahezu überall technische Errungenschaften auf. Zum Beispiel ein galvanisiertes Spielzeug in der Kinderküche meiner Enkel. Es sieht wie Metall aus, ist aber keins. Dann denke ich: Wie stellen die das her? Galvanisieren: ein elektrochemischer Prozess, der ein Objekt mit einer Metallschicht überzieht.
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung habe ich im Januar 2023 frühe Hinweise über die Anwendung von KI entdeckt. Mittlerweile nutze ich ChatGPT, um französische Texte aufzupolieren, und staune über die Möglichkeiten dieser neuen Technologie. Wenn Sie mit Neugier Zeitung lesen, entdecken Sie mit Leichtigkeit 3 bis 4 Themen, die Sie googeln können, und sind einer technischen Leistung auf der Spur.
Auf einer Messe entdeckt man auch Dinge, die man noch nie gesehen hat, schließlich kommen die Aussteller immer mit Neuigkeiten zur Messe und nicht mit alten Kamellen. Meine momentanen Messefavoriten sind:
Die ACHEMA – das Weltforum für die Prozessindustrie – und die Frankfurter Buchmesse, insbesondere die Halle der Fachpublikationen mit Wissenschafts- und Technikinformationen, sind in Bezug auf technische Spitzenleistungen einen Besuch wert. Last but not least die MEDICA in Düsseldorf, eine der größten medizinischen B2B-Fachmessen weltweit. Auf vielen Messen gibt es Innovationswettbewerbe mit 10 bis 20 teilnehmenden Firmen und deren Produkten.
Ich gebe beim Messebesuch auch immer dem Zufall eine Chance, denn der Zufall bevorzugt den vorbereiteten Geist. Die Küche eines Starkochs besteht auf ersten Blick auch aus Töpfen und Pfannen. Wer sich aber mit kochen auskennt oder interessiert Fragen stellt, kann viele Feinheiten, Tricks und Neuerungen entdecken, welche den Starkoch und seine Küche vom Normalen Unterscheidet. Was für den einen interessant ist, ist für den nächsten Pippifax, für den einen Kunst und für den nächsten falsch geschweißtes Zeug. Man muss wissen, was Wasserstoff ist, wenn man auf eine Chemiemesse geht.
Eine weitere großartige Messe ist die SIRHA EUROPAIN, eine führende Backwaren- und Patisserie-Messe in Paris. Ich habe wenig Bezug zu Delikatessen, aber schon zu Maschinen, Backöfen und Fermentationsvorgängen.
Ein Fachbezug zum Thema ist die Basis, dazu ein geübter Blick, den man erhält, wenn man dreimal hintereinander die gleiche Messe besucht. Geben Sie auch dem Zufall eine Chance. Lassen Sie sich treiben und bleiben Sie dort, wo es Sie hinzieht. Es gibt meistens einen guten Vertriebler, der Ihnen erklären kann, was sie besonders können. Manchmal sind das Kleinigkeiten, aber manchmal auch richtige Gamechanger. So habe ich vor langer Zeit mal den Stand einer dänischen Firma besucht, die als eine der ersten mit einem Laserdrucker ein kleines Plastikteil gedruckt hat. Mittlerweile ist Additive Manufacturing überall zu finden.
Damals war es nur ein kleiner, unscheinbarer Schritt – niemand auf dieser Messe hätte vorhergesagt, was daraus werden würde.
Deutschland ist ein Technologieland und nahezu alles ist technologiegebunden. Ich höre manchmal die Frage, ob die besten Zeiten für technische Spitzenleistungen in Europa nicht schon vorbei sind. Es gab großartige europäische und deutsche technische Errungenschaften im vergangenen Jahrhundert. Das Automobil ist ein Beispiel. Wussten Sie, dass in vielen modernen Fahrzeugen heute ein Doppelkupplungsgetriebe verbaut ist, das in Darmstadt durch Professor Rudolf Franke entwickelt wurde? Es gibt immer Phasen, in denen man das Feld anführt, und Phasen, in denen das nicht der Fall ist. Heute ist die Chemiebranche in Europa nicht zu unterschätzen.
Aber der Innovationsmarkt ist kleinschrittig. Der Erfolg, der dann eine Spitzenleistung hervorbringt, wird erstolpert. Je mehr man experimentiert, desto eher entdeckt man früher oder später etwas, das man so nicht geplant hat. Man braucht schon einen Plan, aber wenn das Ziel bekannt ist, betreibt man Engineering. Forschung und Innovation haben das Neue im Blick. Das Neue ist unbekannt, es wird erstolpert, und wenn 1 von 100 Experimenten gelingt, ist das großartig.
In der deutschen Industrie ist die Frauenhofer Gesellschaft maßgeblich an Innovation beteiligt. Allein als Unternehmen neue technische Errungenschaften zu entwickeln, ist nahezu unmöglich. Dazu braucht man Kooperationen mit Instituten wie Fraunhofer und deren Fachspezialisten. Technologische Innovationen in den Wirtschaftskreislauf zu bringen: Das ist die Aufgabe der Fraunhofer-Gesellschaft. Es entsteht täglich wertvolles technologisches Wissen und Know-how.
Warum habe ich ein Faible für technische Errungenschaften? Wahrscheinlich, weil alles in unserer Gesellschaft, sogar die Kunst, im Wesentlichen auf Technologie basiert. Kunstvolle Bauten haben etwas mit Ingenieursleistung zu tun. Ich habe eine Begeisterung und Wertschätzung für Leistung. Nehmen Sie mal ein weißes Blatt Papier in die Hand und fragen Sie sich: Wie macht man das?